Verfasst von: lindainecuador | Mai 20, 2008

es geht weiter!

ICH BIN WIEDER DAAAAAA!!!!

Zurück in Deutschland, aber mit den Gedanken doch jeden Abend noch beim Kühe melken mit meiner Gastfamilie…

Da die Milch plötzlich wieder “pasteurisiert und homogenisiert” aus Tüten zu trinken ist genau so wie die Waschmaschine, die sich nicht mal Mühe gibt wie ein Stein auszusehen, schon komisch! Aber dafür genieße ich jetzt den Luxus in meinem weichen Bett, die warme Dusche, eine Küche ohne Schimmel….all das, wo ich mich sooo lange drauf gefreut habe.

Nur das im Dreck nach Kartoffeln wühlen vermisse ich nicht so…dafür hab ich jetzt genug anderes zu tun. Bis zum 31. Mai muss ich mich bei den Unis bewerben - bzw mir erst überlegen was und wo ich überhaupt studiere. Damit bin ich im Moment noch ganz schön beschäftigt, aaaber dann geht es hier weiter! Ich habe noch ganz, ganz viele Ideen im Kopf, viele kleine Papierschnipsel mit Stichworten im Gepäck und vor allem einen riesigen Schatz an Erinnerungen im Herz :)

Dann werde ich auch eure lieben Kommentare beantworten. VIELEN DANK an alle, die trotz der “etwas weniger aktiven” letzten Monte immer wieder hier vorbeigeschaut und mir mit lieben Kommentaren Kraft gegeben haben!

Verfasst von: lindainecuador | Februar 7, 2008

Freunde :)

Manmanman, die Dschungelberichte sind immer noch nicht fertig, tut mir leid. Das liegt zum einen daran, dass ich viel Zeit huepfend in der Luft verbracht habe, meist aber daran, dass ich an was anderem gearbeitet habe. Ganz ohne was zu lesen lasse ich euch also doch nicht :)
Hier in Cambugan ist es wunderschoen und ich bin viel gluecklicher als in Tocagon, das Leben ist aber um einiges aermer und in der Schule fehlt es an vielem. Da stehe ich immer ratlos neben und wuerde gerne helfen, kann es aber alleine nicht. Um da mehr tun zu koennen habe ich mit einem Freund zusammen ein Projekt gestartet, mit dem wir die Schule in Cambugan verbessern und so den Kindern mehr Chancen geben wollen. Wie wir uns das vorstellen und wie ihr uns dabei unterstuetzen koennt steht alles auf

-> www.freunde-in-cambugan.de

Die Ideen sind da, aber um wirklich etwas bewegen zu koennen brauche ich EURE Hilfe. Ich freu mich ueber jede Art von Unterstuetzung und hoffe, dass ich nicht die einzige bleibe, die FREUNDE IN CAMBUGAN hat! :)

Verfasst von: lindainecuador | Februar 3, 2008

Stromschnellen? Seeungeheuer!

So durch die Ameisen gestaerkt, haetten wir sicher wieder auf den hoechsten Baum des Dschungels klettern koennen, aber am Nachmittag ging es ruhiger weiter. Noch weiter im Dschungel drin gab es eine Lagune, in der wir - Ueberraschung! - wieder nass wurden. Aber nicht nur vom Spritzwasser des Wasserfalls, der kraftvoll in das Becken brauste, sondern wie die Fische wieder ganz bis auf die Graeten. Ich wuerde wetten, beim Abendessen haben einige unserer Worte schon mehr nach “blubb” geklungen!
So einen Fischmut mussten wir auch beweisen, um ueberhaupt in das sprudelnde Wasser rein zu kommen. Die Kraft des Wasserfalls hatte in den Stein so ein tiefes Loch rein gehauen, dass die Lagune etwa 3 m unter der Klippe floss, auf der wir standen und von der wir frueher oder spaeter springen mussten. (Okay, es gab auch einen leichteren Weg, aber der war ‘uncool’! ;) ) Na, aber nach dem Ameisenmut, den wir uns vorher angegessen hatten war das natuerlich auch kein Problem! ;)

Wert war es den Sprung auf jeden Fall! Mitten im Dschungel nur die Lagune als blaue Oase im Gruen, der rauschende Wasserfall, strahlender Sonnenschein…und ich mittendrin! :)

Nach dem “Sprung in die Entspannung” ging es auf dem Fluss - ¡nass! - weiter, aber diesmal mit Unterstuetzung von grossen Gummireifen. Beim sogenannten ‘Tubing’ werden mehrere traktorgrosse Reifen wie ein Floss aneinandergebungen, auf denen man - halb im Wasser, halb auf dem Reifen - mit der Stroemung schwimmt. Das ist so schon ganz lustig, aber noch cooler ist es, vom Reifen zu springen und alleine im Fluss zu treiben. Ohne Witz, das war eines der schoensten Dschungelerlebnisse. Ganz alleine entspannt im Fluss zu treiben, das Plaetschern direkt neben dem Ohr die Sonne im Gesicht und mich mich herum das Ufer mit dem unglaublichen Tropenwald dahinter.

Tja, und in all dem Enspannen hab ich auch noch was gelernt…ueber die Stromschnellen in Fluessen! Dass die durch Steinberge unter der Oberflaeche verursacht werden hab ich mir schonmal gedacht, aber hier konnte ich es ‘hautnah’ lernen… Zu neugierig bin ich immer zu den Stellen geschwommen, wo die meisten Wellen waren - noch mehr Action! Die habe ich auch bekommen. Zum einen hat mich die Stroemung umhergewirbelt (der gute Teil), aber zur gleich Zeit hab ich auch jeden einzelnen Stein gespuert. Danke, learning bei doing, das merk ich mir!

Das entspannte Geniessen ist eines der tollen Sachen am Schwimmen im Fluss, aber noch lustiger ist es, wenn nur kurz vor einem eine ‘deutsche Wikinger-Tours-Reisegruppe’ das gleiche macht - ahnungslose Touristen, die noch an Seeungeheuer im Fluss glauben und nichts von tauchenden anderen Reisenden ahnen, die einem Seeungeheuer gar nicht so unaehnlich sind……hahahaa! Da gibts demnaechst mehr zu!

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Verfasst von: lindainecuador | Februar 3, 2008

Als Ameise im Wasserfall

Mit Karl dem Kaefer und seinen Freunden hatten wir schon einen guten Start in den Dschungel, aber das Abenteuer ging natuerlich noch weiter - mit Wasserfallklettern. Dazu fuehrte Viktor, unser Dschungelfuehrer uns noch weiter in den Wald hinein, bis wir einen kleinen Bach, einen Nebenarm des grossen Rio Napo erreichten. Der war zwar auch fluessig, hatte sonst aber nichts von der Macht, die der Napo ausstrahlt. “Wasserfallklattern? Hier pass ja gerade mal mein kleiner Zeh rein. Das waer nicht mal fuer ein Papierboot spannend!” dachte ich enttaeuscht, aber es wurde doch besser. Den Umweg an das kleine Baechlein haben wir nur gemacht, um die Frucht zu finden, die uns ueberhaupt erst den Eintritt ins “Reich des Dschungelgottes” ermoeglichen sollte. Dieser passt naemlich sehr gut auf seine geliebten Waelder auf und laesst nur die Menschen unbeschadet wieder heraus, die sich mit dem roten Fruchtfleisch dieser besonderen Pflanze das GEsicht anmalen… Was davon nur Abenteuer fuer die Touristen ist und was die Menschen davon wirklich glauben lass ich mal offen, aber es hat auch wenn ich fuer den Rest des Tages (und auf allen Fotos!) wie ein Clown aussah Spass gemacht!

Den ganzen Tag kurz grinsen zu muesen beim Anblick der anderen - sowie immer angegrinst zu werden… - war eine Eigenschaft des Tages. Das andere Gefuehl, das ich volle 5 Tage lang nicht los geworden bin war ¡NASS! Egal wo ich war, egal was ich gemacht habe, der tropische Regenwald hat mit Wasser und Feuchtigkeit von allen Seiten seinem Namen alle Ehre gemacht. Ich wette, wenn Fische fliegen koennten haetten sie dort foehlich plantschend in der Luft ueberlebt!

Wie ein echter Fisch habe ich mich Wasserfallklettern gefuehlt. Nach dem kleinen roten “Schutzabstecher” kamen wir am richtigen Bach an - in dem ein Papierboot keine Chance mehr gehabt haette!. Da ich (nach guter Kartoffel- und Reiskur ;) ) zum Glueck staerker bin als meine Papierflotte bin ich nicht untergegangen, musste aber auch das ein oder andere mal die Schwerkraft spueren und fand mcih innerhalb von Sekunden ein Stueckchen tiefer wieder… “Klettern” war hier wirklich Klettern. Zum Teil ueber Geroell unter der Wasseroberflaeche, zum Teil ueber Stein- und Schlammlawinen, zum Teil fast senkrechte Felswende hoch. Hui, da bin ich nicht nur einmal weggerutscht!

Das ist aber auch kein Wunder, denn statt mit unseren gut sitzenden, rutschfesten, atmungsaktiven,…Wanderschuhen stolperten wir den ganzen Weg in viel zu weiten, unbequemen, rutschigen Gummistiefeln. Warum? Das frage ich mich auch ncoh… Vielleicht um den Gott der Fische unter Wasser zu beruhigen? Damit der uns nciht beisst, weil wir eh schon genug leiden? Das koennte ich mir am ehesten vorstellen, denn vor nassen Fuessen haben die uns im halshohen Wasser nicht mehr geschuetzt!

So halshoch war auch das Wasser, als wir den groessten Wasserfall erreichten. Da kamen wir nur noch mit einem Seil als Hilfe und mit Aufbringen der letzten Kraefte hoch, aber das war es wert. Der Ausblick war gigantisch! Alles gruen mit Dschungelpflanzen und Lianen, ber blaue Fluss als klare Linie mittendrin und direkt unter uns die Lagune, in die machtvoll der Wasserfall donnerte, den wir gerade hochgeklettert waren. Das war ein tolles Gefuehl!

Dieses Gefuehl hatee mir als Belohnung schon gereicht und beim Anblick der unglaublichen Natur kamen auch langsam meine Kraefte zurueck, aber kaum hatten wir einen Moment da gesessen lockte der Guide uns mit den Worten “leckerer Dschungel-Kraft-Snack” zu einer grossen Pflanze. Das klingt exotisch - und war es auch! Statt Fruechten gab es ganz natuerlich auf dem Blatt serviert “Limonenameisen al la natura”…mmmh.  Ein “Och danke, ich brauche keinen Powersnack, ich koennte das alles nochmal machen!” haette uns so erschoepft wie wir aussahen keiner geglaubt, da hiess es PROBIEREN! Tierchen in den Mund, kurz krabbeln lassen, draufbeissen und …mmmh! Fuer die Ameisen tuts mir leid, aaber es war echt lecker! Und so gestaerkt gings dann zum naechsten Trip weiter…

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Verfasst von: lindainecuador | Januar 13, 2008

Die Kartenkaefer

Nach dem schoenen ruhigen Weihnachten ging‘s weiter mit mehr Action – ab in den Dschungel! Von Quito aus sind wir in den Osten nach Tena, eine groessere Stadt im Amazonastiefland, gefahren, um dort auf gut Glueck unsere Tour zu buchen. Wir hatten Erfolg und konnten direkt am naechsten Morgen starten!
Mit der Camioneta ging es los, ca. 50 Minuten ueber matschige Wege und durch Baeche durch bis wir an einer kleinen Huette ankamen. Von dort aus mussten wir noch 20 Minuten ueber kleine Pfade und durch Baeche durch weiter, bis wir an „unseren“ Huetten ankamen – mitten im Dschungel, meilenweit weg von allem und direkt neben dem grossen Fluss „Napo“
„Wir“, das waren Stuart (ein anderer schottischer Freiwilliger), ich und ein amerikanisches Paar – DIE Stereotypen schlechthin! In jedem kleinsten Wort und jeder kleinsten Bewegung hoerte man ein leises „Ich bin Amerikaner“. Wie konnten die da natuerlich anders heissen als Josh und Stacy? Das war unglaublich lustig und ich musste oft mein Grinsen unterdruecken, aber sonst waren sie ganz cool und wir haben uns gut verstanden.
An der Huette wurden wir sofort mit vielen „Hola“s und „Guapa“s begruesst, was aber diesmal kein kleiner dicker Ecuadorianer war, sondern 2 huebsche…Papageie! Bis wir die entdeckt hatten vergingen ein paar Minuten, aber noch viel mehr Zeit mit Staunen und Bewundern. ;) So „typisch Urwald“ wie die Papageie war auch der Rest der Huetten. Alles war aus Holz, mit Strohdach gedeckt und von Pflanzen und Tieren umgeben, die ich vorher noch nie gesehen habe. Die Huetten, in denen wir geschlafen haben waren (zum Schutz vor Schlangen) alle ein Stueck ueber dem Boden aus Holz gebaut und hatten vor der Tuer eine Haengematte, mit Blick auf den Wald und den Fluss davor. Nach den Touren haben wir die Haengematten auch gebraucht, aber was mich zuerst gewundert hat, waren die „Moskitonetze“ am Fenster. Statt dem normalen feinen Netz war ueberall Maschendrahtzaun gespannt. „Man, da wird die Muecke ja Angst vor haben“ dachte ich im ersten Moment, aber beim Abendessen hab doch den Sinn darin entdeckt.
Nachdem wir am ersten Abend alle erschoepft eine (Ueberraschung: kalte!) Dusche genommen haben gab es Essen: Kartoffelsuppe und…ja, Reis. Nach der Anstrengung habe ich mich sogar darueber gefreut, aber viel schoener als das Essen noch war die Atmosphaere. Ohne Strom haben wir nur mit Kerzen gegessen, ueber uns das Strohdach, hinter uns der Wald und als ‚Hintergrundmusik‘ das Plaetschern des Regens und die Geraeusche der Tiere, die irgendwo im Dunkeln lauerten. Die meisten Tier sind im Wald geblieben (Reisgeruch wuerd mich als Tier auch nicht mehr locken…), aber einige wollten uns doch spaeter beim Karten spielen zuschauen.
Dabei waren Motten in allen Formen und Farben, ganze Kakerlakenfamilien und zum Schluss ein Kaefer, der locker haette mitspielen koennen. Im ersten Moment dachte ich, eine Karte waere durch die Luft geflogen, aber selbst dafuer war er zu gross. Von der Form her wie ein Pik Ass aber so gross wie meine ganze Hand sah er so aus wie eine von den riesigen Spielkarten aus „Alice im Wunderland“. Haette mich nicht gewundert wenn der sich ein paar Karten geschnappt und nach nem Bier gefragt haette… :D
Danach habe ich nicht mehr ueber die Maschendrahtzaunmoskitonetze gelacht! Im Gegenteil, beim Zaehne putzen haette ich gerne etwas davon bei mir gehabt. Um zum Waschbecken zu kommen musste ich von der Huette aus mit nur einer kleinen Kerze noch ein ganzes Stueck laufen. Dabei habe ich den Weg zwar gesehen, aber sonst war um mich herum alles tiefschwarz und ich konnte nur hoeren. Ueberall raschelte, knistere und zirpte es und ich habe jeden Moment damit gerechnet, dass ploetzlich ein Karo Koenig auf mich zuflattert…

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Fotos kommen noch…! Und noch mehr Dschungelberichte auch :)

Verfasst von: lindainecuador | Januar 13, 2008

Als Vampir um den Block

Aehnlich anders aber eindeutig weniger besinnlich war Silvester. Ich habe bei einer ecuadorianischen Freundin gefeiert, die mich eingeladen hatte, mit ihrer Familie bei ihrer Oma zu feiern. Da, bei der Oma waer ne tolle ‚Party‘…

Dass ich hingegangen bin war eher eine Notloesung weil von Quito kein Bus mehr nach Otavalo fuhr, aber ich hab es nicht bereut. Entgegen meiner Kaffeekraenzchenerwartung traf ich auf eine riesige Familie von Vampiren, Hexen, Clowns, und Aegyptern – Silvester dort war Maskenball! Alle hatten sich wie an Karneval verkleidet, geschminkt, gestylt und angemalt. Das war ne Ueberraschung! Meine schmutzige Treckinghose und meine Wanderschuhe (ich kam gerade aus dem Urwald, wollte ja nach Otavalo) fand ich als Touri-Kostuem ganz gut, beim grossen Kostuemwettbewerb durfte ich aber trotzdem nciht mitmachen… ;D
Auch sonst entsprach nichts meiner Oma-Silvester-Vorstellung. Die Altersspannen reichte zwar von 17 bis 87, aber das hielt dort niemanden von den komischsten Partyspielen ab. Luftballontanztreten, Besentanzen,…und der Verlierer musste immer trinken. So haben um kurz vor 12 auch schon nicht alle mehr gemerkt, dass sie ein paar Trauben zu wenig haben. Bei den 12 Glockenschlaegen um Mitternacht ist es wie in Spanien Brauch 12 Trauben zu essen und sich fuer jeden der naechsten 12 Monate was zu wuenschen. Ob zu dem Zeitpunkt wirklich noch alle denken konnten stell ich in Frage (ich konnte es noch!), aber nachdem wir uns alle ein frohes neues Jahr gewuenscht und uns mit Sekt uebergiessen gelassen haben rief die aelteste Oma uns alle zusammen und Hand in Hand fuer ein gutes neues Jahr zu beten. Die Idee fand ich lieb, aber die Menge Wein, die es danach wieder gab war sicher nicht im Sinne des Abendmahls… :D
Danach ging das Feuerwerk los und „der Alte“ wurde verbrannt. „Der Alte“ ist eine lebensgrosse Puppe aus Pappe und Stoff, die meist einen schlechten Politiker darstellt oder andere wichtige Personen, die im vergangenen Jahr „nicht lieb waren“. So werden die zuerst nocheinmal ordentlich verspottet, dann aber deren Suenden verbrannt. Kurz darauf, als wir alle am Feuer standen kam eine Gruppe von Leuten mit grossen Reisekoffern um den Block gelaufen – die „viajeros“. Leute, die im neuen Jahr Reisen moechten, laufen einmal mit allem Gepaeck um den Block. Ich bin beim warmen Feuer geblieben, mal sehn ob ich trotzdem im Mai zu Hause ankomme… ;)

Verfasst von: lindainecuador | Januar 13, 2008

DAS ist Weihnachten!

Fuer Weihnachtsgeschichten ist es zwar schon zu spaet, aber wie mein „Heilig Abend“ war erzaehl ich trotzdem noch :)
Ich bin am 24. in meiner Gastfamilie geblieben und habe mit meinen Gasteltern und zum ersten Mal auch allen Gastgeschwistern gefeiert. Das war schoen, aber ganz anders als mein gewohntes gemuetliches Schneeweihnachten zu Hause. Morgens habe ich mit 4 Gechwistern Plaetzchen gebacken, die fuer abends gedacht waren, von denen aber trotz leichter Qualitaetsmaengel schon mittags keine mehr da waren… Die Qualitaetsmaengel muss ich leider zugeben – aber versucht mal wenn ihr in einem Kuehlschrank lebt die Butter auf „Zimmertemperatur“ zu bekommen!
Danach verlief der Tag wie jeder andere – auf dem Feld arbeiten, Kuehe melken… – bis es nachmittags zur Weihnachtsmesse ging. Nach dem vierstuendigen Hochzeitsgottesdienst in Tocagón war ich auf alles gefasst, aber diesmal war nach einer halben Stunde (von der ich vor lauter Kindern und Hundewelpen auf meinem Arm nichtmal alles mitbekommen habe) schon alles vorbei. Das „Tischgebet“ war dafuer um so laenger…
Nachdem wir allen Nachbarn und ich fast allen Kindern des ganzen Dorfes einen schoenen Abend gewuenscht haben ging es auch bei uns los. Waehrend ich noch die letzten Geschenke einpackte fing der Rest der Familie schon an zu kochen – ueberraschenderweise Reis und Kartoffeln! Dazu gab es aber als Weihnachtsessen Huehnchen und…jep, Meerschweinchen. An das normale Fleisch habe ich mich mittlerweile gewoehnt, aber als ich vor dem Essen einen vollstaendigen Unterkiefer zum „Naschen“ bekommen habe musste ich mich doch seeehr stark ueberwinden um vorbei an den Nagezaehnen die kleine Zunge zu essen… :/
Das werde ich naechstes Jahr sicher nicht vermissen, aber sonst bestimmt viel an dieses Weihnachten zurueckdenken. Das Essen auf kleinen Holzbaenken am Tisch, auf dem ein paar Kerzen standen und das Warten auf dem Boden am offenen Feuer waren zwar ganz einfach, aber ganz besonders. Ohne viele Geschenke, ohne Schnickschnack, einfach Weihnachten. Die selber haben sich nichts geschenkt, aber ich konnte von Spendengeld fuer alle etwas kaufen. DANKE dafuer!! Die haben sich soooo gefreut und auch fuer mich war es unglaublich schoen, die so gluecklich zu sehen. Den ganzen Abend haben sie mit den neuen Sachen gespielt (unter anderem Floeten) und auch heute noch muss ich den Kleinen die Maerchen mind. 1 mal am Tag vorlesen, waehrend sie mit den neuen Farben malen. Meinen Gasteltern sind vor kurzem fast 80 Meerschweinchen geklaut worden, nur ein einziges blieb traurig zurueck. Was haben die also bekommen? Jup, 2 Meerschweinchen, die Stammvaeter einer neuen Generation! :D Aber keine Angst, die beiden stehen unter strengstem „Freunde“-Schutz. „Linda“ und „Capitán“ koennen gluecklich alt werden :)
Denen so eine Freude machen zu koennen war schon ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk fuer mich, aber es wurde noch toller. Weil sie kein Geld hatten um mir etwas zu kaufen hat meine Gastfamilie mir eine Decke bestickt. Neben vielen Blumen ist in der Mitte ein grosses Herz druaf, in dem „Linda, wir haben dich sehr gern“ steht. Soooo schoen! DAS ist Weihnachten :)

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Verfasst von: lindainecuador | Januar 1, 2008

¡Feliz Año Nuevo!

¡¡FELIZ AÑO NUEVO!!
Ich wuensche euch allen ein wunderschoenes neues Jahr mit vielen ‘Vor-Freude-Huepf-Momenten’, genug Kraft fuer alle eure grossen und kleinen Spruenge und immer genug spannende Ziele, fuer die es sich mit Kraft zu springen lohnt!

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Verfasst von: lindainecuador | Dezember 16, 2007

“Boeser Wind” und rohe Eier

Kaum in Cambugán angekommen wurde ich auch schon vom “Bewohner der Schluchten” begruesst und durfte die Naturheilkunde der Shamanen kennenlernen. Alten Geschichten der Ureinwohner nach leben in den Schluchten der Waelder schlechte Seelen, sogenannte “boese Winde”, die sich auf Menschen stuerzen und sie krank machen. So einem “Windchen” bin ich scheinbar ueber den Weg gelaufen, denn von einem Tag auf den anderen wurde mir schlecht, alles was ich ass kam sofort zurueck, ich hatte Fieber und zitterte am ganzen Koerper. Meine Gastmutter hat den boesen Wind sofort erkannt und mit all ihrem Heilwissen versucht, ihn wieder zu verteiben. Dafuer gabs heisses Zwiebelwasser mit Limone und Zucker, Moehrenwasser mit 50% Salz- und Bicarbonatanteil, rohes Eiweiss,…uvm. Trotz allem Zittern waere ich schon nach dem zweiten Glas  am liebsten weg gelaufen, aber den Geist scheint all das nicht gestoert zu haben. Er blieb.

Also gings weiter mit Plan B, der Eierreinigung. Dafuer hat meine Gastmutter ein rohes Ei genommen und mich damit von oben bis unten abgerieben. So sollte das Boese auf sie uebergehen und ueber sie wieder in die Natuer abgegeben werden. Ganz angestrengt ging sie mit dem Ei ueber mich drueber, atmete schwer und wuergte dabei ohne Pause, aber fragt nicht wie! Den Lauten nach hab ich die ganze Zeit auf ein kleines Monster gewartet, dass grummelig aus ihrem Mund klettert, aber das kam nicht. Stattdessen wuerge sie weiter und weiter Luft aus - den “boesen Wind”! Das war unheimlich!!

Ich weiss noch nicht, was ich von all dem halten soll, aber ihre Prophezeiung “Jetzt wirst du Frieren” hat gestimmt. Trotz all den eisigen Naechten hier war mir noch nie SO kalt! Selbst mit mehreren Paar Wollsocken, Thermowaesche und vielen Decken konnte ich meine Zehen nach einer halben Stunde nicht mehr spueren. Irgendwann ging es dank dem Fieber besser, aber am naechsten Morgen war ich doch noch ziemlich schlapp. Also? Nochmal reinigen! Diesmal mit Chili. Noch ein paar gesunde Kraeuterdrinks hinterher und wieder gings ab ins Bett. Diesmal scheint es aber wirklich geholfen zu haben, denn kurz nach dem Aufwachen war ich schon wieder fit genug um aufzustehen und die naechste rohe Eiersuppe zum Mittagessen abzulehnen…

Das war ziemlich unheimlich und weil ich selbst der Patient war nicht ganz so cool, aber trotzdem total interessant. Hier in Cambugán leben alle noch viel mehr mit Naturglauben und Naturheilkunde - ich bin gespannt was ich mir da (als “Ghost Buster”… :D) noch alles abschauen kann!

Verfasst von: lindainecuador | Dezember 15, 2007

Im Zauberland…

Vor zwei Wochen habe ich die Gemeinde gewechselt und wohne jetzt in Camabugán, dem bestimmt schoensten Fleck der ganzen Anden. Wohin man schaut gruene Huegel, weite Wiesen und am Horizont 4 schneebedeckte Vulkane. Einer davon, der “Cayambe” ist der Punkt der Welt, der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt ist (Aequator, Erdkruemmung und so… ;) ).

So weit entfernt fuehl ich mich in Cambugán auch von aller Zivilistion. Wenn ich die 40 Minuten Holperweg von der Strasse bis zum Dorf laufe komme ich mir jedes Mal vor, als wuerde ich in eine Zauberwelt abtauchen, weg von allem Stress, allen Abgasen und aller Zeit…

Passend dazu sieht mein kleiner Gastbruder aus wie ein kleiner Zwerg mit seiner Muetze und dem viel zu grossen Stock zum Kuehe treiben. Mit dem Stock und manchmal auch dem kleinen Pferd laufen wir jeden Abend ueber 100 Huegel rauf und runter um die Kuehe nach Hause zu holen, spielen “Ich sehe was was du nicht siehst” bis wir alles einmal durch haben und toben ueber die Wiesen. Zu Hause angekommen melken wir noch die Kuehe (jaaa das kann ich jetzt auch! ;) ) und lassen uns dann mit dem verdienten Glas frische Milch in die Wiese fallen. Das ist schoen! :)

Wenn sich da noch meine kleine Gastschwester und andere kleine Freunde zu setzen komme ich mir manchmal vor wie Schneewittchen und warte nur drauf, dass die Huehner, die gluecklich um uns herum picken ploetzlich anfangen zu reden… :D

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